04.10.2018

Borsla-Preis 2018 - Interview

Interview mit R. Kramer (NWZ) über Platt, Preise und Protagonisten

Welche Rolle spielen Preise generell für Sie und der Borsla Preis im Besonderen?

Für mich als Schriftstellerin sind Preise und Auszeichnungen Anerkennung und Ansporn zugleich. Ob ich selbst meine Arbeit für gut erachte, oder ob dies eine hochrangige Jury tut - das macht einen Unterschied. Die Auszeichnung berührt und beflügelt mich.

Sie wurden für ein Konvolut aus fünf Kurzgeschichten geehrt unter dem Titel: "Wat Neeis wagen". Worum geht es in diesen Geschichten?

Es geht um Menschen an Wendepunkten. Meine Protagonisten haben Entscheidungen zu treffen oder Tatsachen hinzunehmen, die ihr Leben grundlegend verändern. Ein Junge überlegt, von zu Hause wegzulaufen und lässt Revue passieren, was das für seine Mutter bedeuten würde. Ein Mann hat sich verliebt und steht vor der Frage, ob er die Frau seines Herzens, eine Witwe, ansprechen soll, oder ob diese noch in Trauer gefangen ist. Ein weiterer Protagonist ist auf dem Weg zu einem Vorstellungsgespräch und hängt sein Glück an ein Kleeblatt. Eine Frau muss sich mit dem Alter auseinandersetzen und versucht, dem etwas Positives abzugewinnen. Ein Mensch hat seine Heimat verlassen müssen und findet Nähe, wo er es nie vermutet hätte. 

Sie publizieren in hoch- und auch in plattdeutscher Sprache. Was liegt Ihnen näher?

Ich denke und träume auf Platt und so ist mir die Sprache eigentlich näher. Und doch fällt es schwerer in ihr zu schreiben. Im täglichen Sprachgebrauch hat sich schon so viel Hochdeutsches eingeschlichen. Ich habe den Anspruch Geschichten mit den Worten zu erzählen, die meine Großeltern verwendet haben. Da sitze ich oft lange und überlege ... Und meine Romane - das geht nur auf Hochdeutsch. Es braucht ja eine möglichst große Zielgruppe, damit die Publikumsverlage "anbeißen". Und ich schreibe gerne auf Hochdeutsch.

Haben Sie einen Lieblingsplatz, an dem Sie schreiben?

Ich habe ein wirklich winziges Büro. Dort kann ich alles stehen und liegen lassen, ohne dass es jemanden stört. Wenn ich schreibe ist es mir ganz egal wo ich bin. Ich verliere mich dann in der Geschichte und reise nach Lyon, Delft oder St. Petersburg.

Woran arbeiten Sie gerade?

Ganz aktuell bearbeite ich die Druckfahne meine neuen Romans "Die Lerche des Himmels" der im Dezember auf den Markt kommt.

 (Die Fotos gehören zu den Geschichten "Hawaii" und De Klaverveer")