Freudenthal-Preis 2016

Wachters tüsken de Welten

Ausgezeichnet mit dem Freudenthal Preis wurden am 24.09.2016 Jutta Oltmanns (Warsingsfehn) und Are Meijer (Amsterdam). Beide befassten sich mit dem Thema "Lebenende, Tod und Vergänglichkeit" - die eine in ostfriesischem Platt, der andere im Platt aus Groningen. Jutta Oltmanns Lyrik-Zyklus trägt den Titel "Wachters tüsken de Welten" (Wächter zwischen den Welten), der Groninger Text ist überschrieben mit "Wurrems soeken" (Würmer suchen).

Jutta Oltmanns präsentiert eine stille Reise über ostfriesische Friedhöfe. Dort hat sie Engelfiguren aufgesucht, fotografiert und diesen schweigenden Gesellen Gespräche abgelauscht. In seiner Laudatio würdigte Snorre Björkson (Jurymitglied) die schlichte Sprache der Gedichte und Prosatexte, die ohne jede intellektuelle Überhöhung auskämen und dennoch nicht naiv seien. "Es gibt eine große Ruhe in diesen Texten, es geht ein stilles Vertrauen von ihnen aus. Jutta Oltmanns Gedichte sind als Ausdruck menschlicher Suche zu verstehen und nicht als Mission. Zu zurückhalten und vorsichtig tastend ist dafür ihre Sprache. Die Ostfriesin erzählt in ihrer Einleitung, dass sie die steinernen Engel als etwas Anachronistisches erlebt. Und vielleicht ist es dieses sich gegen den Strom der Zeit stellen, was ihren Texten diese Ruhe verleiht."

Die Freudenthal-Anerkennung ging an Wilko Lücht. In seinem Beitrag "De Billerrahm" geht es um das Verblassen und Nichtvergehen der Zeit, um die Frage, wie die persönliche Geschichte lebendig gehalten werden kann, darf und soll.